Samstag, 29. September 2018

30.09.18 - Septemberblog


"Prost, lieber H.! Mochsch es guat! Es tuat ma so load. Pfiati!"
"Auf di, liebe M.! Mochsch es du a guat. Danke! Es war schen mit dir!"

Dabei sitz ich auf unserer Eckbank in der Küche, eine Kerze brennt, vor mir die Flasche mit dem Zirbenschnaps. Ich schenke mir ein kleines Stamperl ein und nach am Zeitl des Sinnierens und Spürens und Denkens und Verbindens mit der betroffenen Person sag  ich "Pfiati!" und leere es. Auf ihr Wohl. Auf unsere Begegnung. Auf das, was diese Person in mir ausgelöst und gesät hat. Auf ihren Schritt ins Andere. 
Einmal. Für H.
Noch einmal. Für M.
Und dann noch einmal. Für E., der gern gestorben wäre, es aber nicht geschafft hat.

Das ist mein Ritual, um jenen Menschen, welche gestorben sind (seit einiger Zeit stirbt man ja nicht mehr, man ver-stirbt, was ein beachtlicher Unterschied ist), meine letzte Ehre zu erweisen. 

Das hilft mir. 
Ich muss nicht vor Ort zu sein, um mich zu verabschieden.  
Aber ich muss mich verabschieden können. Bewusst.
Dann, und nur dann kann ich gut weitergehen. 


Und so gehe ich weiter mit meiner Familie und einer gemeinsamen Freundin. Wir suchen die Lebens- und Wirkstätten des kleinen, ungefähr 7 Jahre alten Kalle auf. Wir machen eine Kaffeepause an einer Ruine, die vor langer, langer Zeit, um genau zu sein vor dem gewaltigen Brand, der ganz Vaasa zerstört hat, eine Kirche war. Wir ratschen, Max kraxelt herum, wir trinken Kaffee, und wir beobachten. Uns fällt auf, dass es hier sehr viele Frauerl und Herrerl mit ihren Hunden gibt. Ich mein, ja, eh, gibts ja überall. Aber ausschließlich? Und alle gehen sie rein in die Ruine. 
Ich werde neugierig.
Pirsche mich an.
Schaue über die Mauer.
Sehe nichts. Die Mauer ist zu hoch.
Pirsche mich an der Mauer entlang weiter zu einer Lücke, die früher mal ein Fenster gewesen sein muss. 
Und da sehe ich.
Und was ich da sehe, macht tiefen Eindruck und vermischt sich mit einem Gefühlsmix aus Belustigung, Fassungslosigkeit, dem Bedürfnis, mich sofort mitzuteilen und einer Prise Faszination.

Ein Gottesdienst für Hunde!


bei der Predigt

das Abendmahl


Ja. Da hat es sich wieder mal gezeigt, mein kurioses Finnland. Ich mag es!


Ich befinde mich momentan in einem unfreiwilligen Experiment. Es lautet: "Wie verändert sich die Wahrnehmung, wenn man auf das Liegen verzichtet?" Ich liege nicht mehr. Auch nicht in der Nacht. Mein Arm, der irgendwas Schmerzhaftes aufgefangen hat, lässt die Liegeposition nicht zu. Also sitze ich. Meist auf der Couch. Ich wandere auch viel umher, lese viel, surfe im Internet mal hierhin und mal dorthin, alles, während ich meinen Arm knete und massiere. Es ist nicht nur unangenehm. Nur, ich merke, wie meine Wahrnehmung eine andere wird. Der Müdigkeitsschleier deckt vieles zu. Bin leicht reizbar. Ziehe mich mehr als sonst in mich zurück. Kleinigkeiten werden zu riesigen Hürden. Dabei gleiche ich viel mit Schokolade und sonstigem Unrat aus. Und die Sehnsucht, einen Polster unter meinem Kopf zu spüren, treibt mich manchmal fast in den Wahnsinn.


Eine Woche, nachdem ich den oberen Absatz verfasst habe, gebe ich glücklich kund, dass ich heute Morgen mehr als eine halbe Stunde in der Liegeposition verbracht habe. Es war wunderbar. Das muss das Paradies sein, von dem sie alle reden, wenn sie reden. 

Der Herbst ist da, die Blätter, falls überhaupt noch am Baum, sind rot und gelb und braun, der Sturm lässt Bäume auf Stromleitungen fallen und somit die Häuser im Dunkeln munkeln, Max ist mit seinem Kindergarten grundsätzlich zufrieden und überschwänglich glücklich, wenn ich ihn abhole, die Kälte kriecht durch unsere Jacken und lässt uns langsam mit unseren dicken Wintersachen liebäugeln, und so nähern wir uns mit Riesenschritten der Dunkelheit.

Schau ma mal, wies heuer so wird.

Aber a bissl a Galgenfrist hamma ja no.
Eini in die Jacke und aussi in d'Sun.
Es tuat so guat!

Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen