Ich hatte nie die Möglichkeit, meine Schwiegereltern kennenzulernen. Kalles Papa ist bereits vor vielen Jahren gestorben, weit vor meiner Zeit, und Kalles Mama hab ich zwar getroffen, wir konnten uns aber leider nicht unterhalten, weil ich damals noch kein Schwedisch gesprochen hatte. Kurz nach unserem Kennenlernen ist auch sie gestorben.
Diesen Umstand tut mir leid. Nicht nur, dass mir dadurch verwehrt wird, einen Blick auf Kalles Vergangenheit über seines Eltern Augen zu werfen, es bedeutet auch, dass Max keine Großeltern in seinem Heimatland hat. Das ist eine Lücke in vielfacher Hinsicht.
Wir haben uns arrangiert. Natürlich.
Vor einigen Wochen nun sind Max und ich in die Bibliothek gefahren. Wir leihen uns dort regelmäßig Bücher aus. Das ist eine schöne Abwechslung für so manchen verregneten Tag.
Sobald wir unseren Fuß in die Bibliothek gesetzt haben, ist Max auch schon in "seine" Spieleecke gerannt, ist dort herumgehüpft und hat Traktoren und Viecher mit seiner Phantasie zum Leben erweckt. Ich hingegen bin herumgestreunert von Buchregal zu Buchregal, hab gestöbert, geblättert, da und dort a bissi gelesen, alles, was man halt so tut in einer Bibliotek. Bald schon habe ich mich in der Biografieabteilung wiedergefunden. Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer Biografie von Tove Jansson. Tove Jansson ist so etwas wie die finnische Astrid Lindgren. Nur dass ihre Bücher viel subtiler, viel entspannter und viel phantasiereicher sind als jene von Lindgren, wie ich finde. Ich mag ihre Art, mit Worten umzugehen und ich mag ihre selbst gestalteten Illustrationen.
Sobald wir unseren Fuß in die Bibliothek gesetzt haben, ist Max auch schon in "seine" Spieleecke gerannt, ist dort herumgehüpft und hat Traktoren und Viecher mit seiner Phantasie zum Leben erweckt. Ich hingegen bin herumgestreunert von Buchregal zu Buchregal, hab gestöbert, geblättert, da und dort a bissi gelesen, alles, was man halt so tut in einer Bibliotek. Bald schon habe ich mich in der Biografieabteilung wiedergefunden. Ich bin schon seit längerem auf der Suche nach einer Biografie von Tove Jansson. Tove Jansson ist so etwas wie die finnische Astrid Lindgren. Nur dass ihre Bücher viel subtiler, viel entspannter und viel phantasiereicher sind als jene von Lindgren, wie ich finde. Ich mag ihre Art, mit Worten umzugehen und ich mag ihre selbst gestalteten Illustrationen.
Plötzlich sticht mir dieses Buch hier ins Auge:
Elly Sigfrids.
Kalles Mama.
Kalles Mama.
Ihres Zeichens Lehrerin, Politikerin, Schriftstellerin, eines Priesters Ehegattin, Mutter.
Dieses Buch heißt "Ganz draußen im Meer" und handelt von ihren 5 Jahren auf der Insel Norrskata, wo ihr Mann eine Priesterstelle bekommen hat und sie selber zu ihren zwei Töchtern noch zwei Söhne. Das Buch ist angereichert mit Familienbildern und Anekdoten.
Oh, wie mein Herz zu schlagen angefangen hat! Ich begann zu blättern. Da war Kalles Papa, den ich bisher nur als alten Mann auf Fotos gesehen hab als junger, fescher Kerl, Kalles Oma, von der ich viel gehört hab, mit Kalle auf dem Arm, da war das Haus, in welchem er seine ersten Jahre verbrachte,... Außerdem wird geschildert, wie man sich mit Essen versorgt hat oder wie Arztbesuche ins weit entfernte Turku auf dem Festland bewerkstelligt wurden, von Festen wird ebenso berichtet wie von Krankheiten, die Dorfbewohner erwachen wieder zum Leben, Besucher bringen Fische, die Töchter stellen herausfordernde Fragen, die Elly versucht, so gut wie möglich zu beantworten,...
Endlich, endlich hat sich eine Möglichkeit aufgetan, Elly doch noch erzählen zu lassen und ihr zuzuhören.
Endlich, endlich hat sich eine Möglichkeit aufgetan, Elly doch noch erzählen zu lassen und ihr zuzuhören.
Danke, liebe Schwiegermama, für dieses Buch!
Von Elly, die weit über 90 Jahre alt geworden ist, ist der Schritt zum Thema Alter nur ein kleiner.
Ich hab das überhaupt nicht. Seit ich 40 bin, fühlt sich mein Leben stimmig und rund an. Ich bin im Frieden.
Ja, ja, es stimmt schon. Das Ende naht. Mit jedem Atemzug.
..."doing nothing but aging"... (G.H.)
Aber ich mag es. Ich bin entspannter, zufriedener, klarer und weniger streng mit mir selber. Es gibt immer weniger Dinge, die ich unbedingt noch tun muss (zB nach Südamerika fahren, ein Kind bekommen oder cool sein) und immer mehr Dinge, die ich genieße.
Es hat also, wie alles andere auch, seine Vor- und seine Nachteile.
Vor ein paar Tagen war ich bei einer Physiotherapeutin. Wegen meinem Arm.
Das Gesundheitssystem in Finnland sieht keine Akutbehandlung vor (außer Schmerzmittel natürlich), vielmehr handelt es sich bei Physiotherapie um eine vom Staat gütigerweise angeboteten Art der Nachbehandlung. Wenn also schon alles vorbei ist, Wochen später, bekommt man einen Anruf zur "Nachbehandlung". Man darf sich natürlich schon vorher auch selber einen Physiotherapeuten suchen, nur muss man dann auch selber fürs ganze Honorar aufkommen, wohingegen man einen Teil von der Krankenkasse rückerstattet bekommt, wenn man brav wartet, bis man angerufen wird.
Nein, nein. Ich wundere mich nicht. Das ist die hiesige Realität, die ich so nehme, wie sie ist. (Und über die ich mich manchmal so ärgere, dass ich gar nicht anderes kann als schimpfen, schimpfen und noch mal schimpfen. In tiefstem Tirolerisch. Herrlich!)
Diese Physiotherapeutin war gut. Und nett. Und jung. Und sportlich. Nach einer Weile des Überlegens und Nachdenkens hat sie Folgendes gesagt: "Du brauchst dich eigentlich nicht wundern. Du bist jetzt 41. Mit dem Alter kommt manchmal einfach etwas daher."
Bum.
Das hat gesessen.
Das erste Mal in meinem Leben wurde eine körperliche Beschwerde mit meinem Alter erklärt.
Wie war das gleich noch mal?
Ich mag es, schon so alt zu sein???
Ja. Eh.
Aber...
Nein. Es passt schon.
Ich schau mich jetzt a bissl um, welche Angebote für ältere Menschen es hier so gibt. Ich hab gehört, die sollen ein ganz nettes Altersheim in Vasa in Planung haben, wo man gar nicht mehr merkt, dass man in einem Altersheim ist, weil man eine ganze Wohnung für sich selber hat und weil man gehen und kommen kann, grad so wie man will.
Außerdem gibts nette Treffen für ältere Menschen in einem unserer Nachbardörfer immer am ersten Sonntag des Monats. Da wird gebastelt und gesungen und Kaffee gibts gratis dazu.
Und diese flotten Rollatorenflitzer, mit denen man mit wehendem Haar die Hügel runterpfeifen kann, die find ich schon auch sehr cool.
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Auf in die goldenen Jahre :-)!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit

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