Was meinen Geburtstag angeht, bin ich bis letztes Jahr nie wirklich über das Stadium der Kindheit hinausgewachsen. Ich kenne Menschen, die sagen, dass er ihnen völlig wurscht ist und dass dieser Tag wie jeder andere auch einfach an ihnen vorüber zieht. Bei mir war das immer anders. Ich hab mich gefreut. Unbändig. Immer schon. Bereits am Tag davor. Und als ich dann in der Früh aufgewacht bin, geschah das stets mit einem Kribbeln im Bauch und dem erwartungsvollen Hoffen, dass ganz viele Menschen mich ganz lieb beglückwünschen.
Man sagt, der Mensch fühlt sich in jener Jahreszeit am wohlsten, in der er geboren worden ist.
Jeder, der mich kennt, weiss, dass ich Pauschalisierungen sehr kritisch gegenüber stehe. Doch hier, ob nun Zufall oder nicht, muss ich zugeben: Es stimmt. Total. Ich liebe den Frühling. Keine andere Jahreszeit tut mir so wohl und lässt mich so gerne leben. Keine andere lässt es kribbeln in mir. Und keine andere lässt mich so tief einatmen und so oft dankbar in das Licht des Himmels schauen. Wäre ich nicht so steif und patschert, würde ich am liebsten Purzelbäume schlagen.
Sie beide sind wieder da. Der Frühling und mein Geburtstag.
Der Frühling wird mit jedem Jahr besser. Intensiver. Kribbeliger. Freudiger.
Der Geburtstag - nein, ich würde nicht sagen, dass er mir wurscht geworden ist. Nur, er ist kleiner geworden. Und das aufgescheuchte Herumwuseln ist einer ruhigen Freude gewichen. Ich muss wieder einmal feststellen, dass das Leben mit zunehmendem Alter zunehmend entspannt wird. Mmmm, das tut gut!
Dafür gibts ganz andere Dinge, die mich aufscheuchen, beunruhigen, ängstigen, mich hilflos fühlen lassen und gleichzeitig wütend machen.
Was zB tun mit Menschen, die völlig unreflektiert rechtes Gedankengut verbreiten und damit die Welt um sich herum verpesten? Ich habe wirklich ein Problem damit. Ein riesiges Problem.
Facebook. Jemand verbreitet aggressiven, rechten Humbug. Jemand, den ich kenne.
Schweigen? Nein. Geht nicht mehr. Also: Fragen stellen. Wie kommst du dazu? Weisst du um die jetzige Gesetzeslage Bescheid? Was genau hättest du gern anders? Und was versprichst du dir davon? Solche Dinge. Und dann ist ein Shitstorm über mich hereingebrochen. Und ich muss jetzt sagen, Shitstorm ist masslos übertrieben. Es hat sich aber so angefühlt. Jemand hat seine Meinung auf aggressivste Art kundgetan, sich gesuhlt in Pauschalisierungen, Behauptungen, die jeglicher Grundlage entbehren, und mit denselben Statements um sich geworfen, die jede/r Rechte aus dem Effeff beherrscht. Und da bin nicht einmal ich als Fragestellerin angegriffen worden. Nur "die Flüchtlinge".
Poah. Ich reagiere auf solche Dinge hochemotional. Ich bin immer wieder sprachlos über die Aggressivität der Aussagen, die Argumente, die keine sind, die aber beabsichtigen, die ganze komplexe, bunte, filigrane Welt und ihr facettenreiches Leben darin in ausschliesslich Schwarz und Weiss darzustellen und über die vermeintlich simplen Lösungen.
Aussi. Weck. Gottan zua. Fertig.
Wie bitte???
Liebe Leute, ich muss ganz ehrlich gestehen, ich habe Angst.
Ich habe Angst vor den Donald Trumps und Mikl-Leitners dieser Welt, und davor, was aus der Welt wird, wenn diese Menschen an Positionen kommen, an denen ihr Wort Gewicht bekommt.
Und ich habe Angst vor all den normalen Franzln und Gretln, die gedankenlos mit Parolen um sich werfen und sich nicht im Klaren darüber sind, was sie anrichten.
Ich brauch a Strategie. Eine Strategie, derer ich mich bedienen kann, wenns darum geht, dem etwas entgegenzusetzen. Ich finde das so schwierig. Und da gibts noch so viel zu tun für mich.
Morgen ist Wahl in Österreich. Der Bundespräsident/die Bundespräsidentin wird gewählt. Ich habe meine Wahlkarte schon weggeschickt. Es ist gut, etwas Konkretes tun zu können in so einer Komplexheit an Wahnsinn und innerem sowie äusserem Durcheinander.
Es gibt Hoffnung. Immer.
Dieses Blattl wächst aus unserem Palmkatzlzweig, den wir weder giessen noch sonst irgendwie pflegen.
Die Lust am Leben braucht nur sich selbst.
In diesem Sinne - friedvolles, lustvolles und achtsames Dasein euch allen!
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
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