Samstag, 30. April 2016

30.04.16 - Mein Blog und Du


Liebe Leserinnen und Leser!

Ein Brief an euch. Ganz persönlich. Ihr, die ihr eine undefinierbare Masse im weltweiten Netz seid. Ihr, die ihr aber auch meine Familie und meine Freunde seid. Und ihr, die ich nicht kenne und die ich noch nie in meinem Leben gesehen oder gesprochen habe und das wahrscheinlich auch nie tun werde. Ihr seid meine Adressaten. Immer wieder. Ihr seid die, die mich Woche für Woche aufs neue vor den Computer treiben. Und ihr seid es, denen ich nicht vorenthalten möchte, wie es ist, einen Blog und manchmal nur diesen als Verbindungsglied zu haben.
 
Das Erzählen und das Schreiben meines Blogs ist so, wie wenn ich in der Dunkelheit eine Tür aufmache und versuche zu schauen, wer oder was dahinter ist. Ich sehe nichts. Rein gar nichts. Egal, wie sehr ich meine Augen zusammenkneife, die Luft anhalte, mich anstrenge - ich werde nichts entdecken.
So fühlt sich das Schreiben an. Ich halte meine Monologe, erzähle mal dies und mal das, suche Objekte, die es wert sind, fotografiert zu werden, oder bereits vorhandene Fotos, die das Thema unterstreichen bzw. gut ergänzen, krame beinahe täglich in meinen Gedanken und schaue, was als Blog verwendet werden will, ich versuche, mich an so etwas ähnliches wie einen Zeitplan zu halten, und das alles geschieht  - in völliger Dunkelheit. Ich sehe nicht eure Gesichtszüge, wenn ihr meine Einträge lest. Ich höre nicht, was ihr sagt. Und ich habe keine Ahnung, welche Gedanken und Emotionen in euch aufblitzen, wenn ihr mit meinen Worten und Bildern in Kontakt kommt.

Schreiben im luftleeren Raum.

Ich habe von einem psychologischen Versuch gelesen, indem man versucht hat, herauszufinden, wie Stress auf Menschen wirkt. In diesem wird man als Versuchsperson (VP) in einen Raum gebeten, welcher mit Ausnahme von 2 Menschen (2M), die hinter einem Tisch sitzen, total leer ist. Weiss und kahl. Die VP soll sich nun vorstellen, sie bewerbe sich für eine Arbeitsstelle und ihre Aufgabe ist, zwei Minuten lang ihre Vorzüge darzustellen.
Es muss festgehalten werden, dass die VP weiss, dass es ein Experiment ist, sie weiss, dass dieses Gespräch fiktiv ist, sie weiss, dass es hier gar nicht um eine Stelle geht, ja, sie weiss sogar, dass sie zwei Minuten lang ihre positiven Seiten auflisten soll, was bedeutet, dass sie sich im vorhinein perfekt darauf vorbereiten kann.
Was geschieht?
Die VP geht in den Raum, und findet hinter dem Tisch 2M mit völlig ausdruckslosen Gesichtern vor. Die VP fängt guten Mutes an zu erzählen. Die 2M machen sich ab und an Notizen, zeigen aber ansonsten keine Regung im Gesicht. Nichts. Sie schauen nur. Ohne eine Mine zu verziehen. Nach 15 Sekunden fängt die VP an, sich unsicher zu fühlen. Die 2M schauen.  Sie stottert. Die 2M schauen. Sie fängt an zu schwitzen. Die 2M tun weiter nichts als schauen. Und Notizen machen. Bald folgt ein Blackout von seiten der VP und nach knapp einer Minute, falls ich mich recht erinnere, wird das Experiment abgebrochen.

Manchmal gehts mir mit diesem Blog genauso. Nämlich dann, wenn ich mir selber unsicher bin über das Ergebnis des bereits geposteten Resultats. Dann warte ich auf irgendein Zeichen von euch, wie zB ein Feedback in Form einer Nachricht oder in Form von vielen Aufrufen oder in Form eines Plus, das man als LeserIn vergeben kann. Und wenn die ersten paar Minuten oder sagen wir Stunden, nachdem ich meinen Eintrag veröffentlicht habe, nichts passiert, also wirklich nichts, dann werd ich ganz zieselig. Meine Unsicherheit wächst und ich fühle mich zunehmend bestätigt in meinen eh schon nagenden Zweifeln. Und die Verzweiflung käme über mich, würde ich in diesem Moment nicht alles ruhend stellen und meine Aufmerksamkeit anderen Dingen zuwenden.
Ganz anders hingegen fühlt es sich an, wenn ich meinen Eintrag mag. Wenn ich in aller Konsequenz hinter jedem gewählten und verwendeten Wort stehen kann und wenn ich stolz darauf bin, dass herausgekommen ist, was herausgekommen ist. Nur sehr wenige Leser? Völlig wurscht! Wenn sie es nicht jetzt lesen, dann eben später. Oder gar nicht. Das macht nichts. Und tut meinem Selbstwert keinen Abbruch.
 
Ich werde nie wissen, wovon es abhängt, ob ein Eintrag oft aufgerufen wird oder nicht. Es ist absolut kein Muster hinter der Anzahl der Aufrufe zu erkennen. 40? 120? Beides möglich. Und eben nicht beeinflussbar. Hat a Zeitl gedauert, bis ich das als gegeben akzeptieren konnte.

Und nun, jetzt, in diesem Moment, lieber Leser, liebe Leserin, bist du da. Verbunden mit mir über meine Worte. Wie schön. Hallo :-)!
 
Als Dank für deine Treue oder Neugierde oder Interesse oder deinem Versehen - was genau ist eigentlich deine Motivation, dir mehr oder weniger regelmässig meine Monologe zu Gemüte zu führen? - gibts hier ein Bild von einem Freund unseres lieben Max'. Er ist genauso uneinschätzbar wie ihr. Meistens sitzt er aufm Fensterbankl, vergessen von allen. Doch manchmal, ungefähr einmal in der Woche, da tritt er mit einem umwerfenden Schwung auf, laut und durchgeknallt, und bekannt als Hasenhund setzt er sich gekonnt in Szene und macht die Welt um ihn herum buntlautlachendundquietschvergnügt.
 



Hjulen på bussen går runt, runt, runt...
Das ist alles, was mir jetzt noch in den Sinn kommt (Kalle singt mit Inbrunst GuteNacht-Lieder für Max).
Deshalb lass ich es sein für heute.

Habts es gut. Habts es fein. Auf a guate virtuelle Verbindung weiterhin :-)!

Pfiatenk und Hej då -
d'Birgit


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