Ich schaue aus dem Fenster.
Eine Stechmücke hat sich verirrt und dabei vergessen, dass sie eigentlich schon längst vom Kältetod hätte niedergestreckt werden müssen.
Die wenigen noch verbliebenen Blätter auf den Bäumen haben ihren Kampf bereits aufgegeben. Sie sind braun und dempremiert, völlig antriebslos hängen sie herum und sie warten nur noch auf einen Windstoss, der sie endlich zu Boden sinken lässt.
Feucht ists. Und grausig. Mich zieht nichts mehr raus in diese wenig einladende Welt.
Stattdessen verschanze ich mich bei einem Zeitloch vor meinen Computer. Ich schreibe e-Mails, lese meine Texte und schaue, was sich ausserhalb meiner kleinen Welt so tut.
Und das ist oft sehr ungesund.
Ich sehe zB ein Video, in dem eine Gruppe von Männern aus der südlichen Gegend Österreichs zu der Frage interviewt wird, was sie davon hält, dass Frauen Männern gegenüber immer noch nicht gleichgestellt sind. Einer von ihnen ist offenbar der Wortführer. So wie das halt immer ist in jeder Gruppe. Und dieser Wortführer meint, dass das ja kein Problem ist für Frauen, zumal das ja schon mehr als 2000 Jahre lang so war und sich das ja durchaus bewährt hat. Die anderen Gruppenmitglieder lachen nur ihr dreckiges Lachen. Und dann fügt er noch hinzu, dass er kein Problem damit hätte, dürften die Frauen nicht wählen.
Dieses Interview wurde in Österreich, in diesem zentralen, europäischen Land, im Jahre 2016 geführt.
Ich schaue aus dem Fenster.
Und mir sausen Bild- und Wortfetzen dieses Interviews durchs Gehirn.
Und in meinem Magen wirds ganz eng.
Und ich sehe vor meinem geistigen Auge Menschen beiderlei Geschlechts, die ich kenne, die diese Aussagen benicken würden.
Und ich bin wütend über meine eigene Unfähigkeit, auf solchen Schwachsinn angemessen, d.h. sachlich, kühl, klug und mit starken Worten, zu reagieren.
Und mir kommt die Schlagzeile "Die Macht der Beleidigten" in den Sinn und einige Passagen der Ausführungen des Artikels. Danke, Zeit!
Und Michelle Obama, die in so fantastischer und kluger Weise ihre Sicht der nicht nur amerikanischen Dinge zur Verfügung stellt, spaziert durch meine Gehirnwindungen und winkt mir zu.
Meine Gedanken drehen sich weiter, während meine Augen immer noch die Stechmücke bei ihrem Versuch, Fensterscheiben verschwinden zu lassen, verfolgen.
Wie ist das in Finnland? In diesem Land, wo scheinbar alles besser ist?
Schlagartig wird mir klar, wie wenig ich in Wirklichkeit weiss über dieses Land, das mir seit mehr als zwei Jahren eine Heimat bietet.
Und dann wieder denk ich mir, dass das eh nichts mit einem Staat zu tun hat, sondern immer nur mit dem Menschen selbst. Es gibt da wie dort Aufgeschlossenheit und Verbohrtheit. Es gibt da wie dort Klugheit und Dummheit. Es gibt da wie dort - alles. Sogar in jedem einzelnen Menschen gibt es - alles. Jegliche menschliche Regung zeigt sich, sobald es Menschen gibt. Immer und überall.
Ich schaue aus dem Fenster. Die Stechmücke ist verschwunden.
Und ich weiss, dass eine meiner grossen Aufgaben ist und sein wird, Max mit Respekt zu begegnen und ihn immer wieder zu bestätigen in seiner Besonderheit. Denn nur, wenn jemand Respekt erfährt, wird er auch Respekt vor anderen haben. Und nur, wenn jemand sich selber mag, wird er anderen Menschen in Augenhöhe begegnen und in echten Kontakt treten können.
Unbehaglich ists mir zumute.
Und mit Unbehagen im Gemüt lasse ich es gut sein für heute.
Habts es gut.
Seids gut und respektvoll zu- und miteinander. Bitte.
Pfiat enk und Hej då -
d' Birgit
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| Ein Bild aus Tagen, die sich angefühlt haben wie das Spiel eines Schmetterlings mit dem lauen Sommerlüfterl. |

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