"Pekka pomppasi lähimmästa kellarinaukosta sisään."
Das, liebe Leute, ist Finnisch.
Jahrelang hab ich mich gedrückt. Vieles hab ich getan, um mich ihm nicht stellen zu müssen. Ich hab Schwedisch gelernt, mein Englisch gefestigt, ein Buch geschrieben, meine längst vergrabene Lehrtätigkeit wieder aufgenommen, vom Paddeln mit dem Kajak über Skaten auf dem zugefrorenen Meer bis hin zum Holzsageln alles ausprobiert, "nebenbei" ein Kind geboren und aufgezogen, alles getan um mich zurechtzufinden in der finnischen (Lebens-)Welt, sogar geheiratet hab ich, und auf einmal steh ich da, schau mich um, und muss feststellen: Die Ausreden sind mir ausgegangen.
Ich finds ja schon sehr bezeichnend, dass gerade ich, die immer massive Schwierigkeiten gehabt hat, zu reden, in ein Land auswandere, in dem ich nicht nur eine, nein, sondern sogar zwei neue Sprachen lernen muss. Aber bitte. Da nützt alles Lamentieren nichts. Es ist, wie es ist.
Ich habe mich von Anfang an sehr gefürchtet vor dem Finnischen. Wenn ich nur versucht hab, laut finnische Überschriften zu lesen, so war es mir unmöglich, die Laute so zu formen und aus meinem Mund zu schicken, als dass es auch nur annähernd Finnisch geklungen hätte. Die Worte sind verblüffend lang und die ganze Sprache ist völlig anders aufgebaut als alles, was ich bisher an Sprachen kennengelernt habe. Es gibt kein Er, es gibt kein Sie, und will man etwas beschreiben, so hängt man irgendwelche Silben an ein bereits dastehendes Wort anstatt diesen Beschreibungen ein eigenes Wort zu geben. Es gibt statt 4 Fälle wie im Deutschen 12. Die Melodie ist eine andere. Der Rythmus ebenso. Und die Art und Weise, wie man sich ausdrückt und etwas sagt, ist insgesamt wohl viel blumiger und bildreicher und ungenauer als im Deutschen.
Kalle sagt immer, wenn man Finnisch lernt, dann muss man anders denken lernen.
Durch ein zufälliges Treffen mit einem Deutschen, der in Finnland wohnt, bin ich auf Vera F. Birkenbihl gestossen, die ein eigenes Sprachenlernkonzept entwickelt hat. Das hat gar nichts mehr zu tun mit der herkömmlichen Weise von Vokabelpauken und Konjugieren in den unterschiedlichsten Varianten. Es geht vielmehr darum, sich die Sprache - jetzt mal sehr vereinfacht ausgedrückt - über Dekodieren (Wort-für-Wort-Übersetzungen) und Hören anzueignen. Diesen Sommer hab ich ihr Konzept, dh. das Buch, das sie darüber geschrieben hat, gelesen. Und es hat mir total eingeleuchtet. Und die Neugierde hat der Angst einfach eins über den Kopf gezogen. Und mir war klar: "Wenn, dann nur so." Wie wir ja alle wissen, wenn man eins auf den Kopf kriegt, wird man im besten Fall ohnmächtig, aber aus jeder Ohnmacht wacht man auch wieder auf. So auch die Angst. Es hat nun doch noch einen ganzen Monat gebraucht, um den ersten Schritt zu tun. Aber - voilá - geschafft! Hab mir ein Kinderbuch vom Max geschnappt und werde mir jetzt langsam und Stück für Stück erarbeiten, wie es der Katze ohne Schwanz so geht in ihrem Leben.
Bis jetzt bin ich noch nicht frustriert.
Bis jetzt bin ich noch neugierig.
Und manchmal find ichs völlig absurd.
Und amüsant.
Also, wenn ich DAS tatsächlich schaffen sollte, dann hab ich wahrhaftig einen Grund zum Feiern!
Dann heb ich ein Glasl Rotwein, tanze um unser Lagerfeuer und juchize so laut, dass Tom, unser Nachbar, der einige 100 Meter weiter sein Haus hat, aus dem Schlaf hochschreckt.
Pfiat enk und näkemiin -
d'Birgit
| Den Herbst entdecken mit Max. Wichtiger als alles andere. |
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