Ausländer und Ausländerinnen sind Menschen zweiter Klasse. Wenn sie Glück haben.
Nein. Ich schwadroniere jetzt nicht über den österreichischen Wahlkampf, der an Peinlichkeit fast nicht mehr zu übertreffen ist.
Ich versuche auch nicht, Menschen mit rechtsdrehenden Gehirnen irgendwie zu erreichen.
Stattdessen möchte ich gern eine Geschichte erzählen. Meine Geschichte.
Ich, Österreicherin, Bürgerin der EU, seit 3 Jahren wohnhaft in Finnland, weisse Haut, blaue Augen, verheiratet mit einem waschechten Finnen, Mutter eines ebensolchen, im Vollbesitz meiner mentalen und physichen Kräfte, der hiesigen Sprache mächtig, finde mich bei der Polizei ein, um einen Identitäsausweis zu beantragen. Es ist nämlich so, dass die Bank für die Kontoführung, so wie ich sie gern hätte, einen Identitäsnachweis braucht und ihr aber mein österreichischer Pass nicht reicht. Wer weiss schliesslich, wem die Österreicher allen einen Pass geben! Da könnte ja jeder daherkommen...!!! Ok. Ich brauche also etwas Finnisches. So komisch das auch sein möge, hier in Finnland ist es die Polizei, die Pässe u.Ä. ausstellt. Also, ich rede mit dieser Polizistin, erkläre, was ich gerne hätte, und wir reden ein bisschen hier und dort und sie fragt mich Verschiedenes, das eh schon überall aufscheint, aber bitte, ich gebe ihr meinen Pass und Geld und alles mögliche, und dann sagt sie, gut, das wars dann.
Und ich frage: Fein. Darf ich meinen Pass wieder haben?
Sie: Ja.
Ich: Danke. Und wo und wann krieg ich nun meinen Identitäsnachweis?
Sie: Den kann ich in dieses Lebensmittelgeschäft nach Oravais schicken (das ich auch so eine Seltsamkeit in diesem Lande, dass man Pässe und andere Dinge zu Lebensmittelgeschäften geschickt bekommt).
Ich: Das freut mich.
Sie: Haben Sie jemanden, der Ihnen helfen kann?
Ich: Wobei?
Sie: Beim Abholen.
Ich: Ich brauche keine Hilfe.
Sie: Doch. Sie brauchen jemanden, der mit Ihnen geht und einen finnischen Pass hat.
Ich: Wieso?
Sie: Weil Ihr Pass nicht reicht zum Abholen.
Ich: Wieso? Der Pass zeigt mein Foto und sagt meinen Namen und gilt in der ganzen Welt als Identitätsnachweis. Ausserdem ist Österreich Mitglied der EU. Und Finnland ist ebenso Mitglied der EU.
Sie: Da steht auch ein falscher Name drin.
Ich: Aha. Wie ist mein richtiger Name?
Sie dachte, mein Pass sei auf meinen ledigen Namen ausgestellt. Hab aber schon einen neuen. Sie entdeckt ihren Irrtum und sagt: Vergessen Sie es einfach. Sie brauchen trotzdem jemanden.
Ich: Und meine Versicherungskarte? (Die verwendet man hier immer und überall für alles.)
Sie: Nein. Tut mir leid.
Ich: Das darf doch wohl nicht wahr sein! Ich soll meinem Mann sagen, dass er nicht arbeiten gehen kann, damit er mit mir Händchenhaltend diesen Brief abholen geht?!?!?! Das ist doch wohl nicht Ihr Ernst!!!
Also haben wir uns darauf geeinigt, dass ich zur Polizei komme und ihn dort abhole. Das darf ich dann auch alleine.
Ich halte noch mal fest: Ein EU-Staaten-Pass ist in Finnland kein Identitätsbeweis!
Ich frage mich, ob das rechtsgültig ist.
Es ärgert mich, dass ich als Inhaberin eines ausländischen Passes als Mensch zweiter Klasse behandelt werde. Weil mein Pass kein finnischer ist, kann ich mein Konto nicht auf vernünftige Art verwalten, ich darf erst nach 2 Jahren Aufenthalt in diesem Land ein eigenes Handy haben, ohne ein horrend-hohes Pfand zu hinterlegen und ich darf keine Briefe mit Dokumenten ausgehändigt bekommen, wenn mein Mann nicht dabei ist.
Was heisst das für mich? Das heisst, ich werde in diesem Land behandelt, als bedürfte ich eines Vormundes! Aus einem einzigen schlichten Grund: Ich bin Ausländerin.
Ich mag gar nicht daran denken, was wäre, wäre mein Pass ein nigerianischer.
Ich bin immer noch grantig.
Und ich ärgere mich grün und blau über solche Leute wie den Kurz.
Und ich möchte endlich aus dieser mir aufgezwängten demütigenden und entwürdigenden Bittstellung entlassen werden.
Pfiat enk und Hej då -
d'Birgit
| Sooo fein kannt mas hobn... |
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